Viele Unternehmen in Deutschland haben ihre Klimaziele beschlossen und veröffentlicht. Was häufig fehlt, ist der belastbare Weg dorthin. Bestärkt durch die politische und wirtschaftliche Unsicherheit ist eine Lücke zwischen ambitionierter Zielsetzung und tatsächlicher Umsetzung erwachsen. Wer sie weiterwachsen lässt, verliert nicht nur wertvolle Zeit, sondern riskiert ab September Sanktionen.
Der Sustainability Transformation Monitor 2026 zeigt: die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat sich bei ihrer Dekarbonisierungsreise auf den Weg gemacht. 86 Prozent erheben zumindest teilweise Treibhausgasdaten und 59 Prozent haben sich Klimaziele gesetzt. Allerdings bleibt die operative Umsetzung noch zurück. Nur 29 Prozent können einen Transitionsplan vorweisen und wiederum nur 15 Prozent geben an, bei der Zielerreichung auf Kurs zu sein.
Anders gesagt: Die große Mehrheit der Unternehmen mit Klimazielen weiß derzeit noch nicht, wie sie diese erreichen wird.
Diese Umsetzungslücke ist erklärbar. Die politischen Debatten und angespannte Wirtschaftslage in den Jahren 2025 und 2026 haben den Klimaschutz unter Druck gesetzt. Maßnahmen bleiben ohne kurzfristig belegbaren Business Case aus.
Nur: Die Ziele bleiben – vor allem dort, wo sich Unternehmen in externen Programmen wie der SBTi verpflichtet haben. Viele Meilensteine sind auf 2030 datiert, das Zeitfenster schrumpft, und mit jedem Jahr ohne spürbaren Fortschritt wächst die Lücke zwischen dem ausgerufenen 1,5°C-Pfad und der Realität. Damit steigt der Rechtfertigungsdruck gegenüber den internen und externen Anspruchsgruppen, die Fortschritt belegt sehen wollen.
Unternehmen, die sich zu Klimazielen verpflichtet haben, kommunizieren dies im Regelfall öffentlich – aus Reputationsgründen oder weil Standards wie die SBTi oder der ZNU-Standard dies verlangen. Ab dem 27. September greift hier die EmpCo-Richtlinie ein.
Zukunftsbezogene Umweltversprechen (z. B. „Wir werden bis 2040 klimaneutral“) sind dann nur noch zulässig, wenn gleichzeitig ein fundierter Umsetzungsplan zugänglich ist. Dieser muss die eingeplanten Ressourcen ausweisen und einer externen Prüfung unterliegen. Wer seine Klimaziele öffentlich ohne fundierten Transitionsplan kommuniziert, riskiert damit nicht mehr nur seine Glaubwürdigkeit, sondern einen Compliance-Verstoß mit empfindlichen Sanktionen.
Warum tun sich Unternehmen trotz dieses Drucks schwer, ins Handeln zu kommen? Und wie können Blockaden gelöst werden?
Im Rahmen der Dekarbonisierungsreise haben Unternehmen den größten Handlungsspielraum bei ihrer eigenen Energieversorgung, gleichzeitig aber auch den höchsten Kapitalbedarf. Dass Investitionen zuletzt ausgeblieben sind, ist mitunter darin begründet, dass weite Teile des Mittelstands aufgrund der wirtschaftlichen Lage insgesamt zurückhaltender investierten.
Wer jedoch alte Anlagen weiterlaufen lässt und Investitionen in erneuerbare Energien scheut, verlängert die eigene Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Und die kann spätestens ab 2028 teuer werden: Mit dem Start des ETS 2 werden fossile Brennstoffe erneut Preissteigerungen unterliegen, deren genaue Höhe heute noch nicht zu beziffern ist. Geopolitisch bedingte Ausschläge kommen hinzu.
Bei der Bewertung von Investitionsvorhaben sollten Unternehmen diese künftig zu erwartenden Preisschwankungen fossiler Energien in Ihr Business-as-usual-Szenario einbeziehen.
Zudem sollten Fördermöglichkeiten geprüft werden – diese sind häufig nicht bekannt und können die finanziellen Belastungen spürbar mindern.
Für viele Dekarbonisierungsmaßnahmen wird so ein belastbarer Business Case sichtbar.
Ihre größten Emissionsanteile finden gerade produzierende Unternehmen in ihrer Wertschöpfungskette vor. Sie sind damit bei einem elementaren Bestandteil der Dekarbonisierung abhängig von einer Vielzahl an Geschäftspartnern. Hinzu kommen Abhängigkeiten vom technologischen Fortschritt und der Datenlage. Laut Sphera haben knapp die Hälfte der Verantwortlichen nur geringes Vertrauen in die eigenen Scope-3-Daten. Nur wenige Unternehmen arbeiten bereits mit Primärdaten, die Fortschritte in der eigenen Lieferkette überhaupt sichtbar machen. Die naheliegende Reaktion ist, zuerst flächendeckend die Datenqualität zu verbessern, Product Carbon Footprints anzufragen und Reduktionsmaßnahmen aufzuschieben. Das kostet Jahre, in denen die Emissionen nicht sinken.
Ein wirkungsvollerer Weg ist es, handlungsorientierte Pilotprojekte mit Schlüsselpartnern aufzusetzen und hieraus skalierbare Lösungen zu entwickeln. Das bedeutet beispielsweise im Einkauf, die emissionsintensivsten Warengruppen oder Lieferanten zu identifizieren, mit diesen gezielt Primärdaten zu erarbeiten und anschließend kollaborativ Reduktionsmaßnahmen abzuleiten. So entstehen schnell praxisnahe Lösungen, die anschließend zum Beispiel über Peer Learning Formate im Lieferantenstamm ausgerollt werden können.
Die entstandene Umsetzungslücke ist nachvollziehbar, jetzt in Abwartehaltung zu verfallen jedoch langfristig eine teure Option. Unternehmen sind gefordert, bei der Umsetzung nun Geschwindigkeit aufzunehmen – einerseits, um wirtschaftliche Risiken zu mindern, andererseits, um die notwendige Zeit für die Dekarbonisierung des Geschäftsmodells nicht verstreichen zu lassen. Der Einstieg gelingt über einen Transitionsplan, der Ziele, Abhängigkeiten, Maßnahmen und wirtschaftliche Tragfähigkeit fundiert zusammenbringt und für alle Anspruchsgruppen glaubwürdig darstellt.
Wer jetzt startet, kann in den kommenden Jahren zu den wenigen Unternehmen gehören, die ihre Ziele nicht nur gesetzt, sondern auch erreicht haben.
Dringend, sofern Sie Ihre Ziele öffentlich kommunizieren. Ab dem 27. September 2026 braucht eine solche umweltbezogene Zukunftsaussage gemäß der EmpCo-Richtlinie einen nachweisbaren, ressourcenunterlegten und extern verifizierten Umsetzungsplan.
Ja. Die externe Begleitung bei der Erstellung eines Transitionsplans ist derzeit über das Förderprogramm EEW Modul 5 mit einer Förderquote von 40-60% und einer Fördersumme von bis zu 60.000 € förderfähig.
Ja, im Rahmen der Transitionsplanung können Maßnahmen auch auf Basis von Sekundärdaten entwickelt und annahmebasiert bewertet werden. Im Rahmen der Umsetzung ist es dann empfehlenswert, beginnend bei den wichtigsten Emissionsposten sukzessive auf Primärdaten umzustellen, um die Fortschritte bei der Dekarbonisierung sichtbar zu machen.
Für viele Marktanforderungen sind nachweisbares Engagement und Transparenz bezüglich der eigenen Emissionsfortschritte entscheidend. So sind auch Verfehlungen eines Klimaziels im Regelfall nicht direkt kritisch, sofern das Unternehmen die Gründe hierfür glaubwürdig darlegt und offen kommuniziert. Die SBTi bewegt sich beispielsweise mit der Veröffentlichung des Corporate Net-Zero Standard V2.0 klar in Richtung Umsetzungspartnerschaft. Unternehmen werden bei der SBTi künftig nicht ausgeschlossen, sofern sie ihr Engagement nach dem „best-efforts“-Prinzip belegen können.
Sie haben Klimaziele, aber noch keinen belastbaren Weg dorthin? Wir bringen Ziele, Maßnahmen, Tragfähigkeit und Steuerung in einem fundierten Transitionsplan zusammen – und beraten Sie kostenlos zur Förderfähigkeit und Antragstellung im Rahmen des Förderprogramms EEW Modul 5.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen